Oderbruch

Mann zeigt auf die Grenze Mann zeigt auf die Grenze

Das Land wird flach. Überall Horizont, überall große Bäume an Feldrainen und überall Regendunst. Bis Berlin. Dann Richtung Frankfurt/Oder. Stau, zäher Verkehr. Der Nieselregen bleibt. Abfahrt Richtung Norden. Alle Straßen sind Alleen. Eine dunkelhäutige Pilzverkäuferin am Waldrand mit einem Plastikstuhl? Aha Prostituierte! Der Verkehr verdünnt sich, die Fahrbahnen werden holpriger. Die Wurzeln der Alleebäume heben das Bitumen an. Dann wird es immer dunkler - die Fahrbahnmarkierungen werden knapper. Ich bin da. Im Oderbruch.

Der nächste Tag ist sonnig und frostig. Ich gehe über die Felder und gelange an die Oder. Die Kraniche ziehen, die Gänse ziehen. Hier gibt es kein Auto, keine Maschiene. Im Landfrauen-Restaurant gibt es Schnitzel. Abends fahre ich dann ins Theater am Rand. Kurz vor der Oder in einem hundertwässrigen Holz-Lehm-Bau erlebe ich das Niebelungenlied, speise gut. Der Rückweg in der Nacht ist phantastisch. Vor mir die Feuerwehr, hinter mir die Feuerwehr und um uns die extrem dunkle Nacht, die die blauen Signalblitze endlos verstärkt. Am Horizont das Blinken der Windkraftanlagen. Die Nacht dann im Schäferwagen, voller Ideen.

Ja diese Ideen. Darf man mit 50 noch mitsprechen? Mich nerven die Alten mit ihrem Festhalten am Alten, ihren Traditionen, ihrem furchtbaren Musikgeschmack. Mich nerven die Jungen mit ihrer Allwissenheit, mit ihrer Liebe zum Nerdtum. Mit ihrem entwurzelten Globalismus, ihrer Xenophilie.

Ich wünschte mir Politiker wie den alten Fritz. Eine Idee: die Besiedlung und Urbarmachung des Oderbruchs. Geht so etwas heute noch? Nein. Die Interessen der Agrarlobby, die Subventionen würden das verhindern. Könnte man ein Projekt machen? All die alternativen und entwurzelten sinnsuchenden Klugscheißer bekommen einen Wohncontainer (geschenkt) und dürfen den Oderbruch besiedeln. Eine Bodenreform. Jeder bekommt Land und muss eine vom Aussterben bedrohte Gemüseart anbauen (und ernten). Kleine Felder, Artenvielfalt, Rettung der Böden vor Überdüngung und Windkraftutopien. Eine Abnehmer- und Verarbeitungsindustrie würde sich entwickeln. Die Erfahrungen der Alten hier vor Ort wäre gefragt. Eine politische Entscheidung zur Bewahrung der Kulturlandschaft könnte auch zu einer gesünderen Ernährung führen (ja eigentlich verpflichten aber da ist wieder das böse Erziehungswort). Sinnvolle Arbeit, für die, die es wollen  - und die, die es schon tun, wären nicht mehr so allein.
Echte Politik (da wünsche ich mir den alten Fritz) und sinnvolle Maßnahmen (da denke ich eben wie ein 50-jähriger).

OK. Ich behalte es für mich.

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