Eine andere Welt - Romania im Juli 2018

deutscher Friedhof in Schäßburg deutscher Friedhof in Schäßburg

Das erste mal in Rumänien und meine Sicht auf mein bisheriges Leben ändert sich. Ich bin hier bei einer großen Familie . Es gab vor vielen Jahren hier ein Kinderheim in dem unter katastrophalen Bedingungen 500 Kinder verschiedener rumänischer Nationalitäten gemeinsam aufwuchsen. Nach dem Sturz das Ceaucescu-Regimes nahmen sich aufrechte Menschen - Christen aus Deutschland - dieser Kinder an und versuchten deren Lebensbedingungen zu verbessern . Die Kinder dieser Generation sind diese große Familie. Zigeuner-Kinder und rumänische Kinder, die als Kind unglaubliches erlebt haben, hielten bis heute zusammen. Die Familienbande erstrecken sich über ganz Europa . Nach Deutschland, nach Österreich, nach Spanien, nach Portugal. Aber man findet immer wieder zusammen.

Meine Gastfamilie besteht aus ungarisch sprechenden Zigeunern und Rumänen, die diese Gesellschaft heute prägen. Dazu kommen eben jene Deutsche und Österreicher, die an der Landschaft, an der Gegend, an dem Volk gefallen gefunden haben und sich hier ganz oder teilweise niederliesen. Dieser Mix aus unterschiedlichen Biografien, die immer auch offen für neue Einflüsse sind, könnte auch ein Rezept für Europa sein.

Die Gegend lässt sich mit dem Begriff "natürlich" am besten beschreiben . Die gemeinschaftlichen Zirkel sind überschaubar und klein. Wie vor 100 Jahren. Wer in der Landwirtschaft arbeitet, kann seine Produkte auch vor Ort absetzen . Wer im Wald arbeitet, kann seine Produkte im Ort absetzen und so weiter. Die Regeln sind klar. Gesellschaften sind immer überschaubar - alles hat Sinn.

Die Natur hier ist erstaunlich intakt. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Keine Industrie-Landwirtschaft, keine Windräder, keine Schlote. Dafür Störche, Blumen, Insekten, Bienen, Bären, Wölfe, etc.

Mir wird schnell klar, dass unser Konzept (Wachstum und Konsum) auf die Welt nicht anwendbar ist. Das Konzept war anziehend für die Vielen, die aus der DDR geflüchtet sind. Für die vielen Siebenbürger-Sachsen, die um 1990 ihr Land verlassen haben, für die vielen Flüchtlinge, die hier her nach Deutschland kommen. Es wird aber nicht die Welt daran genesen ... Wir können nur verlieren und alles kaputt machen. Das Schöne, was hier noch existiert, ist zerbrechlich. Ich bin alt genug, es zu sehen. Die Jungen wollen weg ... dorthin, wo das Geld ist und es wäre borniert, sie dafür zu verurteilen.

Noch etwas Smalltalk: Mein Gepäck kam nicht an. Ich hatte nur das Handgepäck. Eine kurze Hose, eine lange Hose, keine Fotoausrüstung, 2-T-Shirts und eine Regenjacke. Ich war darüber nicht böse. Wenig zu haben, ist auch nicht belastend. Alle Bilder mit Smartphone ... aber das ist ein eigenes Kapitel wert.

Kommentieren:

comments powered by Disqus