Sigma DP2M (Merill) - kleines Review Teil 1

Szene im Überblick Szene im Überblick

Ich habe vor ca. 10 Jahren auf arte einen Beitrag über Carver Mead gesehen. Dort wurde seine Arbeit am Foveon-Sensor vorgestellt. Eine Art digitaler Farbfilm mit 3 farbempfindlichen Schichten übereinander. 1 Jahr später kam dann SIGMA mit der ersten Foveon-Kamera auf den Markt - der SD9.
Andere Digitalkameras arbeiten mit einem Sensor, der in einer Matrix lichtempfindliche Pixel aneinanderreiht. Über einen Farbfilter (also eine Filtermatrix) gelangt dann Rotes, Grünes oder Blaues Licht (RGB) auf die Pixel. Die Farbfiltermatrix ist nach einem Muster aufgebaut mit roten, grünen und blauen Feldern(Filter). Es gibt doppelt so viele grüne Felder wie rote oder blaue. Ohne Grafik - einfach mal rechnen: ein 20 Megapixel-Sensor hat also 5 blaue Megapixel, 5 rote und 10 grüne. Jedes Pixel kann Helligkeiten interpretieren - also 20 Megapixel für Helligkeiten. Die tatsächlichen Farben werden errechnet - mehr oder weniger gut. Der letzte Fuji-Sensor hat die Farbfelder im Filter etwas zufälliger angeordnet, um die Berechnungsfehler geringer zu halten (es klappt auch - aber kein Programm kann diesen Algorithmus nachempfinden).
Was ist jetzt am Foveon-Sensor so anders: Es gibt (gäbe) bei einem 20 Megapixel-Sensor 20 Megapixel für jede Farbe und die Helligkeit, wobei jeder Pixelstandort, jede Farbe aufnehmen kann. Also keine Filter, keine Matrix, keine Berechnung. Theoretisch klingt das toll. SIGMA vereinfacht das Prinzip rechnerisch und sagt, dass ihre (3x) 15 Megapixel 45 Megapixel seien. Man kann auch andersrum rechnen und fordern, dass eine 24 Megapixel-Kamera (herkömmlicher Art) als 6 Megapixel-Echtfarbkamera bezeichnet wird.
Theoretisch sollte ein Foveon-Sensor also alles in den Schatten stellen, sollte stromsparender sein und theoretisch könnte man auch Pixel einfach gruppieren, um höhere Empfindlichkeiten zu erreichen.

Theoretisch könnte man bei farbrelevanten Fotos von diesem Sensor enorm profitieren.

Foveon gehört nun zu SIGMA und SIGMA ist kein Elektronik-Riese wie Sony oder Panasonic.
Deshalb sieht die Praxis anders aus. Die Kameras verbrauchen unheimlich viel Strom, da wahrscheinlich doch mehr berechnet werden muss als erwartet. Die Sensoren sind so scharf abbildend, dass geeignete Objektive schwer zu finden sind.

Jetzt beginnt SIGMAS Weg durch den Markt. (Viele) Jeder Enthusiast hatte schon mal eine SIGMA mit Foveon probiert und enttäuscht wieder zurück gegeben. Die Kameras waren einfach nicht alltagstauglich, langsam und die Farben waren schön aber nicht zuverlässig perfekt. Parallel wurde die Auflösung im Gegenlager immer höher geschraubt, so dass der Auflösungsvorteil immer nach kurzer Zeit aufgebraucht war. Ein 4,5 Megapixel-Foveon musste sich schon bald mit all den 12 und 16 Megapixel-Boliden der anderen Hersteller messen. Die Folge waren Preisverfälle von unerhörtem Ausmaß. 2000 EURO bei Markteinführung und ein Jahr später bekam man die Kamera für 300 EURO hinterhergeworfen. Viele wünschten sich, dass SIGMA mit SONY oder mit Canon kooperiert, damit endlich eine ordentliche Kamera rauskommt.

Ich selbst habe gehofft, dass SIGMA diese Miseren überlebt und weitermacht.

2011 kam SIGMA dann mit der SD1 auf dem Markt. Eine knapp 15 Megapixel-Kamera, die angeblich mit Mittelformatauflösung konkurrieren konnte in einem akzeptablen Gehäuse für 7000 EURO. Ein Jahr später wurde der Preis auf 2000 EURO gesenkt. In diesem Moment dachte ich, es sei vorbei. Aber was sagen Preise und Pixel über den Wert einer Kamera aus?

Im Januar 2012 wurde dann mit der Preissenkung auch die DP2M angekündigt. Eine Kompaktkamera mit fest verbautem Objektiv und dem Sensor der “teuren” SD1.

Seit reichlich zwei Wochen habe ich die DP2M da.
Dieses WOW-Gefühl, das Herzrasen und die Freude auf das Tageslicht kannte ich seit der Canon 5D nicht mehr. Klingt begeistert?
Ich bin ja auch 10 Jahre älter geworden und habe meine Erfahrungen gemacht. Ich predige immer, die Ausrüstung zu minimieren und das Fotografieren zu entschleunigen. Die DP2M ist das Tool dafür. Warum?

Gehäuse und Technik

Die Kamera ist so groß wie die OM-D und wiegt 330 Gramm. Das Gehäuse ist … schlicht. Es gibt ein paar Bedienelemente. Zum Fotografieren braucht man in erster Linie die Möglichkeit, die Blende zu verstellen, den richtigen Punkt scharfzustellen und die Belichtung zu messen. Das geht alles sehr gut. In der Kamera werkeln 2 Prozessoren, die die Daten (vielleicht aufbereiten) und auf die SD-Karte schaufeln. Eine Datei (ein Bild) ist ca. 50 MB groß. Man kann in kurzer Zeit 7 Bilder machen. Dann ist der Pufferspeicher voll. Pro Bild braucht die Kamera ca. 7 Sekunden zum Abspeichern. Erst danach ist eine Bildkontrolle möglich. Nach ca. 60 bis 70 Bildern ist der erste Akku alle. Mit der Kamera werden 2 Akkus geliefert. Das Objektiv hat eine feste Brennweite von 30 mm (entspricht vom Bildwinkel 45 mm im Vollformat). Das Objektiv ist telezentrisch konstruiert (kleines Loch vorne und großes Loch hinten). Alles in allem sieht die Kamera aus wie eine Knipse aus den späten 70-ern. Es gibt einen Blitzschuh, in den man entweder einen Blitz anschließt oder einen optischen Aufstecksucher stecken kann. Klingt alles nach Einschränkungen ohne Ende?

Software

Die Rohdaten muss man mit der SIGMA-Software entwickeln. Man kann die Bilder als 16-bit-Tiff abspeichern und dann in den gewohnten Bridge oder Lightroom-Workflow integrieren. In der SIGMA-Software ist neuerdings eine effektive Rauschminderung integriert, ohne die es manchmal auch nicht geht. Wieder eine Einschränkung - lohnt sich das überhaupt?

Die Bilder

beste Qualität gibt es bei ISO 100, Belichtungszeiten von mindestens 1/60 aus der Hand. Kontrastreiche Szenen mit Sonnenflecken sollte man meiden. Lichter fressen abrupt aus und sind dann nicht mehr zu retten. Hauttöne kann die Kamera eigentlich nur unter optimalen Bedingungen. Je nach fotografiertem Spektrum treten unterschiedliche Schwächen der Technologie zu Tage. Wälder sind sehr schön anzusehen - Bereiche im Schatten sind eher entsättigt und wirken grau. Die Farbfehler fallen in der Natur nicht so ins Gewicht (Grüne und lila Blobs, Banding).

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