OM-D - kleines Review

Olympus 45mm/1.8 Olympus 45mm/1.8

Wenn ich mir eine neue Kamera kaufe, dann ist das für die meisten Leute, die mich kennen kein Ereignis. Wenn ich innerhalb eines Jahres mit der dritten Kamera ankomme und schwärme dann ist das für mich schon fast peinlich. Aber Fotografie ist nun mal eine meiner Leidenschaften und in dem Bereich kann ich mich auch belohnen.
Seit November 2011 habe (hatte) ich eine Sony NEX 5N, die ich nunmehr ziemlich gut beherrscht habe und mit der ich für meine Begriffe sehr ansehnliche Bildergebnisse erzielt habe (wenn ich ansehnlich sage, dann vergleiche ich die Ergebnisse mit Vollformat, wie ich es von Canon 5D -classic und der D700 kenne). Das einzige Problem: ich benutze gern hochwertige manuelle Linsen und fotografiere aus Qualitätsgründen immer im untersten ISO-Bereich meiner Kameras. Das bedeutet Stativ mitnehmen und benutzen. Nach ungefähr 10 Stativtouren ging mir das ziemlich auf den Keks. Da hat man eine kleine tolle Minikamera und muss immer ein Stativ mitnehmen. Der Rucksack ist genauso schwer wie immer ...
Die Alternativen sind überschaubar: Spiegelreflex mit stabilisertem Objektiv oder Kamera mit stabilisiertem Sensor. Da bleibt dann nur noch eine SONY alpha 77 übrig (die bei ISO 50 gute Bilder macht und sonst meinen Anforderungen nicht genügt, aber eine gute Kamera ist) und im Bereich MicroFT die Olympus OM-D. Seit April lächelt mich diese "sexy"-Kamera aus dem Regal an. Ich habe viel gelesen und war überzeugt, dass der Stabilisator auch gut ist (im folgenden "IBIS" genannt)

Gehäuse und Anmutung: Das Gehäuse ist wertig und klein und hat eine hohe Dichte (also eigentlich schwerer als die üblichen Plastikbomber). Sie sieht gut aus, ist aber ergonomisch nicht so gut wie die NEX, die man auch mit einer Hand bedienen kann. Da ich vor Jahren selbst das analoge Vorbild (eine OM-2) besaß, waren mir die Ambitionen des Designers verständlich. Nun sind aber im digitalen Zeitalter auch andere Maßstäbe an die Bedienung gelegt und da kollidiert das Design mit der Ergonomie. Die Kamera ist aber so schön, dass man darüber hinwegsieht. (hier ein Link auf das Produkt auf der Olympus-Website)
 

Bedienung

An der Kamera ist sehr viel einstell- und personalisierbar. Man braucht einen Abend, um die Kamera flott zu machen. Im Internet gibt es auch sehr viele Tipps und nach 10 Tagen Benutzung habe ich meine Einstellungen erstmal gefunden.
Ich fotografiere vorwiegend im A-Modus (Aperture-priority oder Blendenvorwahl auf deutsch). Die beiden Einstellräder kümmern sich um Blende und Belichtungskorrektur. Übrigens kann man bei einer spiegellosen Systemkamera im Sucher das Bild wirklich vordefinieren - also Belichtungskorrektuur zeigt auch ungefähr das Ergebnis - bei Sony-NEX sogar relativ exakt.
Jetzt gibt es noch ein paar frei belegbare Taster:
Neben dem Auslöser ist der FN2-Taster. Mit dem Zeigefinger sehr gut erreichbar. Bei mir vergrößert er das Sucherbild, damit ich auch mit manuellen Linsen genau scharf stellen kann. Selbst die Feinjustierung des Autofokus ist so gut machbar. Hält man den Taster gedrückt, kann man die Funktion des Tasters auch umstellen ...
Daneben ist der "record-Button" zum Aufnehmen von Videos. Da das nicht meine Profession ist, habe ich mich gefreut, dass man den Button auch neu belegen kann. Bei mir dient er dem Speichern der aktuellen Belichtung. Beide Buttons sind blind unterscheidbar und mit der Zeigefingerkuppe zu erreichen. Diese Kombination hilft mir beim Erstellen von Panoramas. Die dazu nötigen Bilder sollten gleich belichtet werden (deshalb Belichtungsspeicherung, die wirklich so lange aktiv ist, bis man diese wieder ausschaltet) und die Fokussierhilfe, die ich bei adaptierten Analoglinsen unbedingt brauche (Dort wird die Blende auch direkt am Objektiv eingestellt). Was mache ich, wenn ich eine Autofokuslinse dran habe? Ich muss beim Panorama noch auf MF (Manuelles Fokussieren) umschalten oder die Fokussierung speichern. Ich schalte lieber auf Manuelle Fokussierung mit dem FN1-Button. Der ist mit dem Daumen erreichbar. Ich kann die Kamera also, ohne vom Auge zu nehmen für Panoramashots umdefinieren. Ich mache oft Panoramas, die ich aber anders definere als langgestreckte Rundum-Bilder. Die hochwertigen Festbrennweiten decken eben manchmal den nötigen Bildwinkel nicht ab. Dann mache ich einfach 2 Fotos nebeneinander und die sollten auch passen, deshalb ...
 

Sonstige Bedienung: 

es gibt noch einen Menu-Button, einen Info-Button und 4 Pfeiltaster in deren Mitte der OK-Button liegt. Damit kann man den ganzen anderen Kram sehr gut bedienen. Das Display ist ein Touchdisplay und auch darüber lässt sich die Kamera bedienen. Aber alles sehr klein und fummelig. Die Pfeiltaster nutze ich, um den Fokuspunkt zu verschieben. Das Touchdisplay kann als Auslöser benutzt werden ... man schaut sich das Sucherbild im Display an und tatscht an die Stelle, die fokussiert werden soll. Die Kamera löst aus und das Bild ist an dieser Stelle scharf. Sehr subtil!
 

Bildqualität: 

Hat sich´s denn gelohnt? Ja, ich mache wieder gerne Bilder und habe die Kamera auch immer dabei. Es ist einfach eine Freude, dieses Ding zu benutzen, weil die Bilder gut aussehen. Stativ braucht man  nicht. Wenn man eine der lichtstarken und (bei Offenblende) scharfen Objektive hat (Ich habe das 25 mm/1.4 Panasonic/Leica und das 45 mm 1.8 von Olympus), kann man bis weit in die Dämmerung ohne Hilfsmittel fotografieren. Ich fotografiere (standardmäßig) nur bei ISO 200 und kann Aufnahmen bis 1/15 Sekunde aus der Hand machen. Daraus ergeben sich natürlich auch neue Motive oder Motivideen. Es ist zum Beispiel möglich, die Gesichtserkennung einzuschalten und dieser zu sagen, dass beim Fokussieren das rechte Auge scharf sein soll (kann auch das linke sein). Es klappt.
Das Auslösegeräusch ist so schön leise ... es klingt als würde eine dünne Pappe umfallen. Kein Vergleich zur D700 mit deren Auslöser man jedes Tier verscheucht und auch bei keiner ruhigen Veranstaltung fotografieren kann, ohne rot zu werden.
Wir werden sehen ... hier mal ein schönes Beispiel, wie der schlimmste Fall aussieht. Ich war erstmal froh, dass ich das Bild überhaupt machen konnte und die Qualität ist nicht so übel (trotz schlechtem Objektiv, Luftflimmern, Gegenlicht, kein Stativ).


Die Olympus ist für 2 Dinge berühmt: Art-Filter und die Qualität der JPGs, die aus der Kamera kommen. Ich habe an den ersten Tagen auch parallel zu den RAWs (Rohdaten, die man erst entwickeln muss), JPGs gemacht (Superfine, Schärfe runter). Jedes im RAW-Konverter entwickelte Bild war aber besser, detailreicher ... . Manche sehen das anders - möglicherweise sind das keine PixelPeeper (Begriff für Erbsenzähler, 100-Prozent-Ansicht-Fanatiker) wie ich es bin. Die Kamera nimmt extrem viele Details mit einem hohen Mikrokontrast auf und die Farben stimmen fast immer (im Gegensatz zur NEX). Der Dynamikumfang ist sehr gut - aber anders zu behandeln, als ich es bisher kannte. Die Bilder sind eher dunkler abgestimmt (jedes Spitzlicht wird erkannt und erhalten) und man muss beim Entwickeln die dunklen Bereiche unter Umständen etwas aufhellen. Das RAW hat aber genug Spielraum und aufgehellte Bereiche rauschen nicht mehr als die unbehandelten Bereiche. Insgesamt stimmen die Bilder schon, wenn sie aus der Kamera kommen. Die ART-Filter sind mehr als nett und das tolle ist, man kann sich auch nach dem Foto (RAW) in der Kamera ein entsprechendes ART-Filter-JPG erzeugen. Bei der NEX musste man die  ART-Bilder immer im JPG-Mode machen.
 

Das Rauschen:

 Ja ich als Pixelpeeper finde, dass die Olympus schon ein ganzes Stück mehr rauscht als die NEX oder die geliebte D700. Selbst bei ISO 200 sind die Rohdaten nicht rauschfrei. Aber kein Problem ... Die Anforderung an das Nachschärfen und Rauschmindern sind anders als vorher aber lösbar. Mir ist auch aufgefallen, dass ich das Rauschen gar nicht so schlecht finde. Bis ISO 640 ist es nur in der 100_Prozent-Ansicht zu sehen und macht dort einen guten Eindruck - sieht aus wie Film - analoger als digital. Nicht so glatt eben (Schönredestatement beendet).
Jetzt nach 3 Wochen habe ich eine andere Meinung: mit ETTR bekommt man das Rauschen sehr gut in den Griff. s. Link
Es gibt allerdings noch ein anderes Rauschen,  Der IBIS (In-Body-Image-Stabilizer) rauscht. Es klingt immer so wie das Festplattenrauschen in meinem Notebook. Man gewöhnt sich dran aber wenn man die Kamera ausmacht, merkt man was Stille ist.
 

RAW-Konverter: 

Ich habe wie immer alle mir zur Verfügung stehenden RAW-Konverter probiert, um die besten Ergebnisse aus den RAWs zu holen.
Phase One: Es gibt einen Riesen Pool mit Kamerakurven, mit welchen man die Grundeinstellung vornimmt. Die OM-D ist auch dabei - es ist aber möglich, die Kurve einer Leica M9 zu laden, um zu sehen was passiert. Man kann sehr gut Farben anpassen und sich auch gut um Schärfe und Rauschen kümmern. Die Firma wirbt damit, dass sie den besten Konverter der Welt haben.  Das Problem sind aber Schärfungsartifakte, die sich nicht abstellen lassen.

Olympus: Arschlangsam und das Ergebnis ist genau so wie das JPG aus der Kamera

RAW-Therapee: Hier gibt es wieder eine Menge einzustellen und man kann auch wirklich viel Zeit mit dem Tool verbringen. Symphatien hat das Programm, weil es unter einer freien Lizenz läuft und eigentlich nichts kostet (aber Spenden ist erlaubt). Ich bekomme damit aber kein besseres Ergebnis hin. Es kommt unter Umständen auch auf das Motiv an aber ich habe damit noch keine sinnvolle Einstellung hinbekommen, die auch einen angenehmen Workflow zulässt. also wieder zurück zu:

ACR: Adobe Camera Raw (wer Photoshop hat, hat auch Bridge und damit auch ACR. Wer Lightroom hat, benutzt auch die gleiche Maschine). Ich komme seit Jahren damit bestens zurecht und wäre nicht meine Neugier, würde ich auch nicht nach links und rechts schauen. ACR kommt hervorragend mit den Olympus-Daten zurecht. Vor allem die Schärfung und die Rauschminderung sind einfach ungeschlagen. Ich habe mir ein paar Grundeinstellungen gebastelt und bin sehr zufrieden. Ich glaube zu ACR schreib ich mal ein Extrakapitel. Ich erzeuge jedenfalls hiermit die detailreichsten Bilder, die ich farblich auch an die so schönen Olympusfarben (die ja eigentlich auch nicht so "richtig" sind) anpassen kann.
 

Fokus: 

Ja der Fokus ist schnell und sitzt da wo er soll. Ich habe jetzt eine längere Zeit komplet manuell gearbeitet, könnte mich aber wieder an den Autofokus gewöhnen. Das Fokustracking habe ich noch nicht getestet.
 

Blitz. 

Naja. Was ist cool? Wenn man mit der Kamera einen Blitz fernzünden kann. Den Blitz stellt man irgendwo ab und rennt mit der Kamera zwischen den Geburtstagsgästen oder Aktmodellen herum und es blitzt :-). Bei meiner D700 geht das einfach. Blitz aufklappen und das wars (Mein Blitz ist immer als Master eingestellt und wird zum Fernzünden der großen Blitze benutzt. Der Blitzschuh meiner D700 hat noch nie einen aufgesetzten Blitz gesehen). Bei der Oly geht das auch ... Blitzschutzschieber rausschieben, Abdeckung vom Zubehöranschluss abpopeln, Miniblitz (mitgeliefert) draufstecken, Kleinkram ordentlich verstauen ... aber immerhin, es geht und funktioniert auch einwandfrei.
 

AKKU

 ja der AKKU reicht einen Tag oder 300 Bilder und man sollte einen oder zwei Ersatzakkus dabei haben. Die Originalakkus von Olympus gibt es aber noch nicht, so dass man Akkus von Drittherstellern kaufen muss. Dritthersteller, die zu einem Drittel des Preises einen Akku und das passende Ladegerät liefern. Einzelne Akkus habe ich noch nicht gesehen. So sieht Ressourcenschonung jedenfalls nicht aus.
 

Fazit

kann man nach 10 Tagen noch nicht ziehen. Aber dass ich einen Testbericht schreibe, ist Lob genug für diese schöne rauschende Kamera. Ich schreibe den Bericht auch für alle, die mich immer fragen, welche Kamera sie sich kaufen sollen.
 

Fazit 2 nach fast 20 Tagen

Ich hatte nun genug Gelegenheit einiges zu testen und meinen Workflow zu optimieren. 2 Dinge können die Bildqualität erheblich verbessern.
  1. Wie bei der NEX schon berichtet, bringt gezieltes Überbelichten einiges. In "Fachkreisen" heißt das ETTR (Exposure to the Right). Die Überbelichtungsanzeige der OM-D färbt Überbelichtungen rot ein (schon vor der Aufnahme), so dass man diesen Stil auch sehr gezielt und gesteuert einsetzen kann. Ich belichte jetzt alle Bilder über. Mal sind 0,3 und mal 2 Belichtungsstufen drin. Die Bilder sehen furchtbar hell aus. In ACR verwende ich als ersten Schritt "Automatische Korrektur". Danach stimmen die Bilder farblich wieder. Das Aufhelllicht wird nicht mehr gebraucht. Die Bilder rauschen erheblich weniger und das hat den Vorteil, dass man aggressiver nachschärfen kann. Die Rauschminderung steht bei mir auf Null (Chroma und Luminanzrauschen)! Die Bilder sehen richtig gut aus. Beispielbild (screenshot) in Originalgröße
  2. IBIS und Shutter. Ich habe festgestellt, dass der Auslöser ein Bild verwackeln kann. Lange Brennweite (etwa ab 100 mm) ist die Problemzone. Selbst bei relativ kurzen Belichtungszeiten sind viele Bilder leicht verwackelt und etwas unscharf. Das nervt. Aber Olympus hat in der OM-D die Lösung eingebaut: ANTI-SHOCK. Dabei kann man eine Auslöseverzögerung von einer halben Sekunde aktivieren (oder ein Achtel, eine Sekunde ... 30 Sekunden). Man muss sich daran gewöhnen aber es hilft kolossal. Ich habe das bei vielen Bildern getestet und bin auf die 0,5 Sekunden gekommen. Den ANTI-SHOCK einzuschalten ist allerdings immer mit viel Klickerei verbunden. Aber bei schönen Motiven (meist statisch) lohnt es sich.
Der Fairness gegenüber Olympus musste das noch gesagt werden. Außerdem bewahrt es mich ein bisschen vor der nächsten Kamera ... obwohl ...
 
 

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